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160 Jahre KAB im Bistum Regensburg

Am 25. April 2009 feierte der Diözesanverband der KAB  Regensburg sein 160 jähriges Jubiläum im Kolpinghaus in Regensburg.

Zu Beginn des Festtages stand ein Referat von Dr. Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut in München auf dem Programm: „Lebenssituation von Kindern – was Armut wirklich verändert“

„Kinder, die in Armut aufwachsen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von anderen Kindern. Ihre materielle Grundausstattung ist schlechter, sie haben früh schon eine beeinträchtigte Gesundheit, schon bei Schuleintritt sind ihre Bildungsvoraussetzungen schlechter...

Kinder brauchen, um sich physisch und psychisch , kognitiv und sozial gut entwickeln zu können, grundsätzlich ein zufriedenes und ausgeglichenes Herkunftsmilieu, materielle Sicherheit und die Vermittlung des Gefühls von Zuversicht und Zukunftsperspektive vonseiten der Erwachsenen.“

Nach dem Referat wurden in einer anregenden Diskussion verschiedene Punkte noch einmal eingehend vertieft.

 

Im Anschluss an das Mittagessen sprach die Vorsitzende der KAB LAG Bayern Brigitte Rüb-Hering in ihrem Festvortrag zu „160 Jahre Katholische Arbeitnehmer-Bewegung“ Vom Unterstützungsverein zur gesellschaftspolitischen Kraft heute:

In der Gründungsphase musste der Verein vom Verein für Arbeiter zu einem Verein der Arbeiter umgestaltet werden...

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden unter dem Namen Wekvolk die Kompetenzen wieder neu geregelt und fortentwickelt. Präsides und Vorsitzende wurden mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet. Sie bilden gemeinsam den Vorstand und vertraten die die KAB gleichberechtigt nach innen und außen

Die ab 1946 im Werkvolk dazugekommenen Frauen waren noch nicht gleichberechtigt. Erst 1959 wurde die gleichberechtigte Mitwirkung von Frauen und Männern gemeinsam mit den Präsides satzungsrechtlich verankert. Der entscheidende Antrag kam vom Diözesanverband Regensburg, der deshalb auch als Vorkämpfer der Gleichberechtigung in der KAB bezeichnet werden darf.

Der Arbeiterunterstützngsverein der Anfangszeit wollte die unmittelbare Not beheben helfen:

 

 

Auf Anregung der Geist­lichkeit und unter dem Protektorat von Bürgern und Handwerksmeistern wurde als erste katholi­sche Ar­beitervereinigung Deutschlands als Zweig des Pius Vereins ge­grün­det. Die Vorstandschaft war jedoch ausschließ­lich mit Bür­gern und Handwerksmeistern be­setzt, die sich bis auf weiteres alle Rechte über den neuen Ver­ein vorbehielten...

 

In der ersten General­versamm­lung am 06. Ja­nuar 1850 wurde die ge­naue Vereinsbezeichn­nung mit „St. Joseps-Arbei­ter-Unterstützungs-Ver­ein im Pius-Verein“ festgelegt...

 

Für einen monatlichen Beitrag von vier Kreu­zern sollte jedes Mit­glied für höchstens sechs Wochen eine Unter­stützung von täglich fünfzehn Kreuzern erhal­ten, außerdem freie ärztliche Behandlung für sich und seine Familien­angehörigen

 

 

Die KAB setzte sich für Vermögensbildung, Mitbestimmung, Familienleistungsausgleich, Chancengleichheit in der Bildung und die gleichberechtigte Teilhabe und Teilnahme der Arbeiter und Arbeiter-innen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ein.

Heute wehren wir uns gegen den Abbau der sozialen Marktwirtschaft, und setzen uns für die nachhaltige Stärkung der solidarischen gesetzlichen Sicherungsysteme ein.

So geht der Kampf in der KAB weiter, für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags, für eine solidarische Alterssicherung nach dem KAB-Rentenmodell, für einen gesetzlichen Mindestlohn, für eine verbindliche Umsetzung der Europäischen Sozialcharta in einem sozialen Europa, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit – auch für Frauen, für ein Grundeinkommen und für gute Arbeit und ein gutes Leben für alle.

Im Anschluss an den Fest vortrag wurde die Marcel Callo Medaillie verliehen.

 

Verleihung der Marcel-Callo-Medaillie

 

Marcel Callo stammte aus einer tief religiösen, kinderreichen Arbeiterfamilie. Als Jugendlicher war er aktiv bei den Pfadfindern und der christlichen Arbeiterju­gend. Aus der hl. Eucharistie schöpfte er die Kraft für sein Wirken als „Laienapostel der Arbeiter“. Während des 2. Welt­kriegs wurde Marcel Callo als Zwangsarbeiter nach Deutsch­land verschleppt. Er sah dieses aber als Möglichkeit anderen zu helfen.

Josef Gebhardt stufte den jungen Franzosen einmal in einem Festvortrag als Missionar ein: "Er erhob das Kreuz gegen das Ha­kenkreuz. Allem Naziterror und allem erlittenen Leid zum Trotz sagte er Ja zum Leben und en­gagierte sich für seine Mithäft­linge im KZ". Zum Vermächtnis Callos gehöre genauso das An­liegen, an einem Europa in Frie­den und Freiheit mitzubauen: "Reden wir aber nicht nur über ihn, sondern handeln wir auch in seinem Sinn".

 

Die Marcel – Callo – Medaillie der KAB Regensburg wird an höchstens 12 lebende Personen verliehen:

In diesem Jahr bekamen sie  drei weitere verdiente Prsönlichkeiten der KAB ,  der ehemaligen stellvertretende Diözesanpräses BGR Josef Gebhardt aus Etzenricht,  der ehemalige Diözesanvorsitzende  Edgar Schiedermeier aus Cham, sowie  Wiili Dürr, der DGB Regionsvorsitzende der Region Regensburg aus Painten.

 

Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung von der Sängerin Beate Griesbeck unter Begleitung von Thomas Gleißner am Klavier.

Das Jubiläum endete mit einem feierlichen Schlussgottesdienst in der Basika St. Emmeram mit Weihbischof Reinhard Pappenberger. Der Gottesdienst wurde von der Gruppe ImPuls unter Leitung von Stephan Nürnberger mit rhythmischen Liedern musikalisch umrahmt.