28.08.2017

Der Klingelbeutel geht an MdB Karl Holmeier

Cham.In der Zirbelstube im Kolpinghaus in Cham hat sich die KAB Cham und Schwandorf mit Bundestagsabgeordnetem Karl Holmeier (CSU) zum Gespräch über das Thema Rente getroffen. Die KAB stellte dabei ihr Rentenmodell, das Cappuccino-Modell, zur Vermeidung von Altersarmut vor.

 

KAB-Diözesansekretärin Christa Mösbauer moderierte das Gespräch. Sie führte auf, dass die Grundsicherung 823 Euro betrage. 30 Jahre Arbeit bei einem Durchschnittsverdienst ergebe eine Rentenhöhe von 913 Euro. Der Durchschnittsverdienst betrage im Jahr 2017 37 103 Euro. 21 Prozent aller Arbeitnehmer arbeiteten im Niedriglohnsektor, sagte sie und hätten einen Stundenlohn unter zehn Euro. Die Männer arbeiteten durchschnittlich 40,6 Jahre bevor sie in Rente gehen, die Frauen 28,1 Jahre – bedingt durch die Familienauszeit. Man könne sich vorstellen, so Mösbauer, dass die Renten hier nicht hoch ausfallen. Mösbauer wollte wissen, wie Holmeier und die CSU dazu stehen.

Bekenntnis zur Reform von 2007

Holmeier antwortete, man bekenne sich zur Rentenreform der Großen Koalition von 2007. Damit wurden die Weichen für eine stabile Rente bis 2030 gestellt. Holmeier sagte, dass der Mindestlohn die richtige Richtung sei, um der Armut vorzubeugen.

Die Rente sei gesichert. Nach der Wahl werde eine Kommission dafür zu sorgen haben, dass die Rente nicht weiter absinkt, so Holmeier. Die Beiträge dürften nicht zu weit gesteigert werden. Das bisherige Rentenmodell habe sich bewährt und viele Krisen überstanden. Allerdings sehe er auch die Tücken, dass durch das Absenken des Rentenniveaus Probleme beim einzelnen Rentner entstehen können. „Unser Plan ist es, breitgesellschaftlich eine Lösung zu finden und zwar parteiübergreifend“, sagte Holmeier. Eine Lebensarbeitszeit von 70 Jahren halte er schlicht für einen Blödsinn.

Beim Thema Mütterrente sagte Josef Kagerer, dass es nicht Aufgabe der Rentenversicherung sei, diese Beiträge zu leisten, sondern dass dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wäre. Der Staat müsse durch den Bundeszuschuss in die Rentenkassen diesen Betrag ausgleichen. Der Meinung sei auch Holmeier.

Mösbauer fragte, wie man mit den Abschlägen umgehe, die Witwen und Witwer hinnehmen müssen, wenn der Ehemann oder Ehefrau vor dem 63. Lebensjahr versterbe. Denn dann werden je Monat, das der Mann oder die Frau früher versterbe, 0,3 Prozent bis maximal 10,8 Prozent abgezogen. Und aus diesem errechneten Betrag erhalte dann die Witwe oder der Witwer die 55 Prozent Witwenrente. Holmeier sagte, dass viele Punkte in Sachen Rente auf den Prüfstein gehörten.

Mösbauer stellte das Cappuccino-Modell der KAB vor aus Sockelrente, Erwerbstätigenversicherung und betrieblicher und privater Altersvorsorge. Der Espresso sei die Sockelrente, eine Pflichtversicherung für alle Bürger, die in Deutschland leben und steuerpflichtig seien. Sie werde finanziert aus Beiträgen die sich aus der Summe der positiven Einkünfte errechne und durch Steuermittel. Die Sockelrente betrage für alle im Rentenalter und bei Erwerbsminderung 515 Euro.

Der Milchkaffee sei die Erwerbstätigenversicherung, paritätisch aus Beiträgen von Arbeitnehmern und durch einen Bundeszuschuss finanziert. Bei durchschnittlichem Verdienst betrage die Rentenhöhe nach 40 Beitragsjahren derzeit 1331 Euro brutto.

Der Milchschaum obendrauf

Der Milchschaum sei die betriebliche und private Altersvorsorge. Eingeführt werde verpflichtend eine betriebliche Altersvorsorge für alle Arbeitnehmer, die auch bei kurzzeitigen Beschäftigungen einen Beitrag zur Lebensstandardsicherung leisten muss. Die private Alterssicherung bleibe eine freiwillige Zusatzvorsorge.

Holmeier sieht hier große Probleme, alle Erwerbstätige mit ins Boot zu holen. Viele Berufsstände und Beamte würden damit nicht einverstanden sein. Bei der Zusatzabsicherung, privat und betrieblich, sei er auch der Meinung, dass eine Mitnahme der Anwartschaft in eine andere Firma gesetzlich geregelt werden müsste.

Die KAB führte auch noch an, dass es eine bodenlose Ungerechtigkeit sei, dass eine Witwenrente beziehende Frau nichts mehr dazu verdienen dürfe, wenn sie keine Abzüge riskieren möchte. Holmeier sagte darauf: „Da muss etwas gemacht werden!“ (kmo)