02.02.2018

Endlich Sonntag! Was tun?

Wolfgang Kessler von Publik Forum bei den Ökumenischen Bildungstagen

Nittendorf. Die Ökumenischen Bildungstage im Haus Werdenfels bei Regensburg standen ganz unter der Frage „Endlich Sonntag! Was tun?“ Rund 50 Teilnehmende der Katholischen und Evangelischen Arbeitnehmerbewegung (KAB und afa) konnte KAB-Sekretär Martin Schulze dazu in Haus Werdenfels begrüßen. Der Chefredakteur der Zeitschrift Publik Forum, Wolfgang Kessler sprach darüber, „wie Flexibilisierung und Digitalisierung die Sonntagsdiskussion neu befeuern“. Das anschließende Podium mit Vertretern von Kirche, verdi und IHK zeigte, wie kontrovers das Thema Sonntagsschutz gesellschaftlich diskutiert wird. Am Sonntagvormittag stellte kda-Leiter Dr. Johannes Rehm die sozialethische Perspektive des Sonntagsschutzes dar.

Freiheit ist mehr als Konsum
„Die Diskussion um verkaufsoffene Sonntage ist nur die Spitze des Eisbergs“, ist Wolfgang Kessler überzeugt. Darunter liegen große Themen, wie die zunehmende Flexibilisierung und Digitalisierung aller Lebensbereiche und der Konkurrenzdruck, den die globalen Märkte erzeugen. Auch, dass die Finanzmärkte mit ihren Renditeerwartungen immer mehr Einfluss nehmen und zugleich die Politik an Gestaltungskraft verliert, übt Druck auf den freien Sonntag aus. „Letztendlich muss sich jeder auch selber fragen, wie sehr er Wert darauf legt, rund um die Uhr Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können. „Freiheit manifestiert sich für viele Menschen im Konsum“, so Kessler. Er erwarte bei einer Ausdehnung der Sonntagsöffnung auch eine Ausdehnung der Sonntagsarbeit allgemein, die über den klassischen Einzelhandel hinausgeht. Davon betroffen wären beispielsweise  Dienstleistungen von Frisören, Werkstätten oder der Postzustellung.
Argumente gegen eine solche fortschreitende Ökonomisierung seien seiner Meinung nach allerdings kaum noch wirksam einzubringen. Die Folgen seinen gravierend. Kessler ruft deshalb Organisationen, wie z.B. Kirchen, Gewerkschaften und Sonntagsallianzen aber auch jeden einzelnen Bürger dazu auf, die Tendenz des ungehemmten Konsums und Wirtschaftens kritisch zu hinterfragen. Die Zukunft müsse im Interesse des Gemeinwohls politisch gestaltet werden.
 
Sonntags offen oder nicht – das ist die kontroverse Frage
In der anschließdenden Runde kamen mit Monika Linsmeier (verdi), Dr. Matthias Segerer (IHK Regensburg) und Sozialpfarrer Msgr. Thomas Schmid verschiedene Meinungen zum Thema verkaufsoffene Sonntage an einen Tisch. Hier wurde deutlich wie breit die gesellschaftlichen Positionen aufgestellt sind. Während Kirche und Gewerkschaften für den Schutz des Sonntags plädierten, wünschte sich der Vertreter des Handels mehr Klarheit in der jetzigen Gesetzgebung. Sie plädieren für vier verkaufsoffene Sonntag im Jahr ohne einen Anlass wie z.B. traditionellen Markt dafür liefern zu müssen. Entsprechend lebhaft verlief auch die Diskussion der Referenten und Teilnehmenden im Plenum.
 
Gott macht es uns vor
Das Seminar mündete am zweiten Tag in einem sozialethischen Impulsreferat von Dr. Johannes Rehm, Leiter des kda Bayern, zum Thema „Arbeit 4.0 und sonntags fei?“. Zu einem gelungenen Leben bedarf es auch eines „genugs“. Die Bibel weiß, dass die Ruhe wesentlich zum Leben gehört. „Wenn Gott es sich erlaubt, am siebten Tag von seinem Werk zu ruhen, dann dürfen Menschen sich dies ebenso erlauben“, so Rehm. Dabei dürfe nicht übersehen werden: „Arbeit verleiht dem Menschen nicht nur Würde, sondern kann krank auch machen, wenn keine Unterbrechung stattfindet“, so der Theologe. Dies könne deshalb umso mehr ein Ansporn sein, für den Schutz des Sonntags einzutreten.