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17.05.2019

Es begann vor 170 Jahren

1. Arbeiterverein wurde zur Weltbewegung

Der Kreisverband der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), Regensburg/Stadt, erinnerte an die Gründung des 1. Arbeiterunterstützungsverein St. Emmeram vor 170 Jahren. In einem Dankgottesdienst in der Hauskapelle der Katholischen Hochschulgemeinde erinnerte Kreispräses Michael Alkofer an die Männer, die den Mut hatten, einen Arbeiterverein zu gründen und diesen unter den besonderen Schutz des hl. Josef zu stellen. Diese Gründung führte zu einer weltweiten Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung und gab entscheidende Impulse im Kampf um mehr Freiheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit.

 

Zum Festvortrag konnte Kreisvorsitzender Albert Herold, den KAB Diözesanvorsitzenden Hannes Krelller, aus München, begrüßen. Nicht ohne Stolz dürfen wir festhalten, dass eine Keimzelle der heutigen KAB, in Regensburg liegt. Wer die Vergangenheit nicht kennt, den kann es die Zukunft kosten begann Kreller seine Ausführungen. Deutschland erlebte im 19. Jahrhundert grundsätzliche soziale Veränderungen, „Kapital und Arbeit“ wurden zu den bestimmenden Faktoren des Wirtschaftslebens. Die Zahl der „Arbeiter“- besitzlose Menschen, die zum Lebensunterhalt nur auf ihre Arbeitskraft angewiesen waren stieg enorm an. Die Männer, Frauen und Kinder erhielten bei härtesten Arbeitsbedingungen und langen Arbeitszeiten nur einen geringen Lohn, und hatten keine Absicherung gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und Invalidität. Von politischer Gleichberechtigung konnte in einer Gesellschaft, in der Adel, Bürgertum und Großagrarirrtum bestimmend waren, keine Rede sein.

Diese Situation forderten die gesellschaftlichen Kräfte heraus und so wurde von katholischer Seite der erste Arbeiterunterstützungsverein ins Leben gerufen. Ein Zusammenschluss der Solidarität und der Selbsthilfe, insbesondere im Krankheits- oder Todesfall. Auch die sittlich-religiöse Bildung war ein wesentlicher Schwerpunkt des Vereinslebens. Mutige Priester, wie Bischof Wilhelm Emmanuel Ketteler von Mainz nahmen sich der sozialen Frage an. Ketteler forderte in seiner berühmten

Rede auf der Liebfrauenheide 1869, vor 150 Jahren, unter anderem

- die Erhöhung des Lohns nach dem wahren Wert der Arbeit,

- die Verkürzung der Arbeitszeiten,

- die Gewährung der Sonntagsruhe und vor allem

- auch das Verbot der Kinderarbeit in den Fabriken und Schutz der schwangeren Frauen.

Er ermutigte die Arbeiter sich zu organisieren und sich durch Sozialreformen gegen die bestehenden Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zu währen.

Mit der Enzyklika „Rerum Novarum“ von Papst Leo XIII, im Jahre 1891 begann die Geschichte der modernen päpstlichen Sozialverkündigung mit der Forderung nach einer staatlichen Sozialpolitik. Verstärkt haben sich die Arbeitervereine in der  Sozialpolitik engagiert und es folgte die Kranken- Unfall- Invaliden und Arbeitslosenversicherung zum Schutz der arbeitenden Bevölkerung. Engagiert setzte sich die KAB stets für einen gerechten Lohn ein, der nicht nur dem Arbeiter und seiner Familie ein „standesgemäßes“ Auskommen sichern, sondern auch zum Erwerb eines Eigenheimes führen sollte, betonte Kreller.

 

Seit Gründung des Bundesverbandes 1971 unter dem Namen Katholische Arbeitnehmerbewegung

(KAB) bemüht man sich um die volle Anerkennung der menschlichen Arbeit; ihr gebührt der Vorrang vor allen anderen Faktoren des wirtschaftlichen Lebens.

Die Synode mit dem Dokument „Kirche und Arbeiterschaft“ gab der KAB 1975 einen mächtigen Schub. Vom Diözesanverband Regensburg wurde unter dem Stichwort „Rente für Erziehungszeiten eine familienfreundliche Reform zur Rentenversicherung erarbeitet, die Aktion trug Früchte und so wurden 1992 die gesetzlichen Grundlagen geschaffen. Anfangs nur Erziehungszeiten, für Kinder, die nach 1992 geboren wurden. Im Juli weitere Anerkennung von Erziehungszeiten auch für vor 1992 geborene Kinder mit 2,5 Rentenpunkten.

 

„Sonntag muss Sonntag bleiben“ - eine Forderung, die seit den 20er Jahren innerhalb der KAB in die politische Debatte eingebracht wurde. Mit über 100.000 Unterschriften 1980 überraschte die KAB die Politiker, so dass sie einer Kompromisslösung, ohne Verlust eines Feiertages zustimmten. Mit weiteren Aktionen wie; gerechte Familienpolitik, Pflegeversicherung, Formen der Arbeitszeit-  verkürzungen und Soziale Sicherheit ab der 1 Mark hat die KAB auf die neuen Herausforderungen reagiert.

Durch die Sozialenzyklika „laudato si“ von Papst Franziskus erhielten wir Christen einen besonderen Anstoß für ihren Einsatz um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern. Wir müssen ein Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und Disparität der Einkommen sagen, denn diese Wirtschaft tötet. Wachsen muss, was den Armen und Ausgeschlossenen nutzt, wachsen muss, was den Benachteiligten eine Teilnahme am gemeinsamen Leben ermöglicht. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während zwei Punkte an der Börse Schlagzeilen macht. Das ist Ausschließung. Es ist nicht mehr zu tolerieren, dass Nahrungsmittel weggeworfen werden, während es Menschen gibt, die Hunger leiden. Das ist soziale Ungleichheit, führte Kreller aus.

Fazit aus dem vielfältigen Engagement der KAB Mitglieder ist:

- Die Beschäftigung mit den sozialen Fragen der Zeit und der Einsatz für Gerechtigkeit und

  Solidarität sind Ausdruck und Bestandteil des christlichen Glaubens. Sie sind Verpflichtung für die ganze Kirche. Sich stärker öffnen für die Menschen vor Ort, ihre Hoffnungen und Ängste verstärkt wahrnimmt. Bereit sein für die Mitgestaltung in Politik, Selbstverwaltung und Betriebsräten, den Nutzen für die Menschen erlebbar machen, denn gesellschaftliche Veränderung für mehr soziale Gerechtigkeit entsteht nur durch solidarisches agieren gegen die Machtinteressen des Kapitals.

 

170 Jahre KAB bedeutet Engagement für die Menschen, für eine gerechte Welt. Auch wenn vieles in der Verbandsarbeit schwierieger geworden ist, kann man doch dankbar auf viele Erfolge zurückblicken, was für die Menschen erreicht wurde. Um die schwierigen Herausforderungen der Zukunft meistern zu können, brauchen wir Menschen guten Willens, die für Solidarität und Gerechtigkeit kämpfen, um ein „gutes Leben für alle“ zu ermöglichen, beendete Kreller seine Ausführungen.

Die Kreisvorsitzende Gabi Fischer dankte Herrn Kreller für seinen  interessanten Festvortrag und überreichte Ihm ein Geschenk aus dem fairen Handel.

 

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