09.05.2018

Cybermobbing

Sachausschuss FamilienLeben Haus Johannisthal bei Windischeschenbach Vortrag & Diskussion mi Frau Cirta Rosbach, Diplom- und Medienpädagogin, Jugendmedienzentrum T1, Tannenlohe Zielgruppe: Eltern und Pädagogen

Cirta Rosbach, Diplom- und Medienpädagogin vom Grenzüberschreitenden Jugendmedienzentrum T1 Oberpfalz Nord in Tannenlohewurde von den Verantwortlichen des KAB-Sachausschusses FamilienLeben zum Thema „Cybermobbing“ ins Haus Johannisthal eingeladen. Man wollte damit sowohl Eltern als auch Pädagogen die Gelegenheit geben, sich aus erster Hand darüber zu informieren. Da die Referentin in Schulen Workshops zu diesem Thema durchführt, konnte sie den Teilnehmern aus einem reichen Erfahrungsschatz berichten. „Bei Cybermobbing wird verbale Gewalt im Internet sichtbar“, so die Referentin. Beschimpfungen, Beleidigungen, weiterversendete vertrauliche Bilder werden über WhatsApp, Facebook, Snapchat oder Instagram gepostet und schon sind Dinge öffentlich, die es nicht sein sollten. Gerade Schulen werden immer öfter zum Schauplatz von Mobbing-Attacken. Zwanzig Prozent der Jugendlichen in Deutschland sind selbst schon mal Opfer von Cybermobbing geworden. Aus Scham wehren sich Betroffene nicht dagegen und geben sich selbst die Schuld an der Situation. Aber weder Handy noch Internet sind verantwortlich für Mobbing, sondern der sorglose Umgang damit. Eltern und Lehrer fühlen sich mit dem Problem meist überfordert und glauben, dass so etwas an der eigenen Schule nicht passiert. Die Referentin berichtete weiter, dass die Ursachen für Cyber-Mobbing vielfältig sein können. Mobbing-Täter suchen mit ihren Cyberattacken auf Schwächere oft die Anerkennung der Mitschüler, mobben auch nur aus Zeitvertreib oder mobben, um selber nicht gemobbt zu werden. Eine große Rolle spielen auch der Neid auf Mitschüler oder zerbrochene Freundschaften. Die Arten von Cybermobbing reichen von Beleidigungen und Ausgrenzung bis zum sogenannten Outing und Trikery. Darunter versteht man die Verbreitung intimer Details oder peinlicher Aufnahmen, um beispielsweise den Ex-Freund oder die Ex-Freundin bloßzustellen. Es kann auch passieren, dass Jugendliche bedrohliche Nachrichten unter unbekannter Nummer auf ihrem Handy erhalten. Nicht zu wissen, wer hinter der Attacke steckt, lässt bei den Opfern sofort das sogenannte Kopfkino anlaufen. Die Betroffenen würden sich bei jedem Kontakt mit anderen fragen, ob nicht der unbekannte Peiniger vor ihnen steht. Die Eltern sollten hellhörig werden bei plötzlich auftretenden Stimmungsschwankungen, anhaltender Schlaflosigkeit, immer wiederkehrenden Klagen ihres Kindes über Kopf- oder Bauchschmerzen oder dem plötzlichen Widerwillen in die Schule zu gehen. Dann sei es für die Erzieher enorm wichtig, sich erst einmal Klarheit über die Situation zu verschaffen. Sollte das Kind dennoch Opfer von Cybermobbing sein, müsse man dem Kind klarmachen, dass es keine Schuld daran trägt und versuchen eine gemeinsame Strategie dagegen zu entwickeln. Hören die Angriffe trotz allem nicht auf, ist es durchaus sinnvoll dem Klassenlehrer den Vorfall zu melden und in ganz schlimmen Fällen auch die Polizei einzuschalten. Cybermobbing selbst stellt keinen Straftatbestand dar. Jedoch vereinen sich in Cybermobbing einzelne Straftaten wie zum Beispiel Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Bedrohung, Verbreitung von Bildern und Videos im Netz. Diese Vergehen können deshalb ernsthafte Folgen für den Täter haben. Die Medienpädagogin stellte mit dem „No Blame Approach“ eine Methode vor, die in drei klaren Schritten dazu beiträgt, Mobbing unter SchülerInnen zeitnah zu stoppen. Dabei geht es in erster Linie darum, dass eine Lehrperson in einem Gespräch versucht, das Vertrauen des Mobbingopfers zu gewinnen und ihm Zuversicht zu vermitteln. Einbezogen wird dann eine sogenannte Unterstützungsgruppe. Diese sollte aus einem Teil der Täter oder der Täterinnen, aus einem Teil der sogenannten Mitläufer oder Mitläuferinnen und auch aus bisher unbeteiligten Schülerinnen oder Schülern bestehen. Deren Aufgabe ist es, die Lehrkraft zu unterstützen und Lösungsvorschläge anzubieten. Nach einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen spricht die Lehrkraft alle in dieser Gruppe mit einbezogenen Jugendlichen einzeln an, um sich einen Überblick über die momentane Situation zu verschaffen. Dieser dritte Schritt sorgt für Verbindlichkeit und soll verhindern, dass die Mobbingtäter wieder ihre Handlungen gegen die Opfer aufnehmen. Die Erfolgsquote bei dieser Methode liege bei 85 Prozent, so Rosbach. Mit einem kleinen Filmvortrag, erarbeitet von der Akademie für Lerncoaching in Zürich in Form einer Tiergeschichte, verdeutlichte Rosbach den zahlreichen Zuhörern die Vorgehensweise noch einmal visuell. Die Referentin stellte auch eine alternative Intervention zum Cybermobbing vor. Hier gibt die Lehrkraft, die um einen Mobbingfall in ihrer Klasse weiß, ihr Wissen dem Kollegium und dem Schulleiter weiter. Die Lehrkraft teilt der Klasse mit, dass alle Lehrer in der Schule wissen, dass in der Klasse gemobbt wird, man aber alles tun möchte, um wieder für ein gutes Miteinander zu sorgen. Die Aussprache findet nur innerhalb der Klasse statt. Schüler, die negativ zu dieser Situation beigetragen haben, sollen die Gelegenheit bekommen, sich für ihre Taten zu entschuldigen. Gleichzeitig wird den Tätern signalisiert, dass sie trotzdem nach wir vor zur Klassengemeinschaft gehören. Abschließend machte die Referentin deutlich, dass Erziehung und Wertevermittlung im Elternhaus beginnen muss. Respekt und Toleranz vor dem Mitmenschen, Höflichkeit, Ehrlichkeit müssen von den Eltern vorgelebt werden. Auch wenn die Pubertät das Zusammenleben zwischen Eltern und Kinder nicht immer einfach macht, schaden passives, gleichgültiges und diffus gewährendes Verhalten den Kindern im Hinblick auf deren soziale Persönlichkeitsentwicklungen. In der Schule sei es die Aufgabe der Pädagogen zusammen mit Eltern und Jugendlichen eine Schulkultur zu schaffen, in der allen klar ist, dass Mobbing unter keinen Umständen geduldet wird. Christine Sollfrank, die Vorsitzende des KAB Sachausschusses FamilienLeben, bedankte sich bei Cirta Rosbach für das überaus interessante und ausführlich ausgearbeitete Referat. Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Cirta Rosbach noch Fragen zum Thema Cybermobbing und es entwickelte sich eine angeregte Diskussion.

 

Christine Sollfrank