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Arbeit 4.0 - Digitalisierung der Arbeitswelt

Positionen und Bedenkenswertes zur Digitalisierung in der Arbeitswelt

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche wird auch in der Arbeitswelt tiefgreifende Veränderungen hervorrufen. Niemand weiß genau, wie viele Arbeitsplätze künftig durch die künstliche Intelligenz im Handwerk, in der industriellen Produktion und im Dienstleistungsbereich ersetzt werden.

Da wir möglicherweise erst am Anfang des Prozesses der Digitalisierung der
Arbeitswelt stehen, sind endgültige Antworten verfrüht, so sie überhaupt irgendwann möglich sein werden. Die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Bistum Regensburg sieht die Digitalisierung aber als einen umkehrbaren Prozess, den es kritisch zu begleiten und aktiv zu gestalten gilt.

Dabei setzt sich die KAB dafür ein, dass Arbeiten und Leben auch im Zeitalter der Digitalisierung und Flexibilisierung in Würde und Solidarität stattfinden kann.


Grundlage für das Positionspapier ist die Argumentationshilfe „Digitalisierung der Arbeitswelt“ der Bundeskommission Betriebsseelsorge.

Die fortschreitende Digitalisierung mit ihren wachsenden technischen Möglichkeiten beinhaltet auch den uneingeschränkten, digitalen Zugriff auf den Menschen. Unter dem Etikett der Transparenz wächst die Fülle der gesammelten Daten sowohl privat als auch betrieblich ins Unermessliche und damit auch die Kontrollmöglichkeiten derjenigen, die die Daten sammeln. Der ursprünglich emanzipatorische Begriff „Transparenz“ wird dabei verdreht.
Rechtfertigen muss sich, wer sich der voranschreitenden Transparenz verweigert.

 

Die KAB mahnt an, dass es auch in einer digitalen Welt ein Recht auf persönliche und damit intransparente Lebensbereiche geben muss. Wird das nicht anerkannt, bewegen wir uns gesellschaftlich in eine Kultur des Verdachts und der Entsolidarisierung.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt wird einen Produktivitäts- und Renditeschub mit sich bringen. Da stellt sich die Verteilungsfrage in neuer Schärfe: Wem werden die Produktivitätszuwächse gehören? Wem werden die gewonnen Zeitzuwächse gehören? Wem das Recht auf die Verwertung der gewonnen Daten? Wer wird über sie verfügen? Wie wird eine digitalisierte Wirtschaft mit dem sozialstaatlichen Gemeinwohl zusammenpassen?


Vor allem aber werden die sozialen Systeme vor neue Herausforderungen gestellt. Wenn die Bedeutung der Löhne für die Wertschöpfung in den Betrieben durch die Rationalisierung abnimmt, werden Renten- und Krankenversicherungen in Finanzierungsnöte geraten.
Welche neuen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze durch die Digitalisierung entstehen, ist derzeit nicht absehbar. Wird die wachsende Anzahl sogenannter Crowd- und Clickworker jemals in die Sozialversicherungssysteme einzahlen? Wie kann der Arbeitgeberanteil
ausgestaltet werden, wenn Aufträge über Internetplattformen vergeben
werden?

 

Die KAB fordert daher die Finanzierung der Sozialversicherungssysteme auf eine breitere Grundlage zu stellen und kapitalintensive Betriebe mit hohem Rationalisierungspotential daran zu beteiligen. Diskutiert werden muss eine Wertschöpfungsabgabe auf die Abschreibungen von Maschinen, Computern und Robotern.

Mit der Digitalisierung droht eine Zweiklassengesellschaft unter den Belegschaften. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sieht eine Bedrohung vor allem für Arbeitnehmer in einfachen Helferberufen. Diese Tätigkeiten können in stärkerem Maße durch Computer oder Roboter ersetzt werden als bisher angenommen. Hier liege das Substituierbarkeitspotential
bei knapp 60 Prozent. Insgesamt liege der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer, deren Tätigkeiten auch von Computern oder Robotern übernommen werden könnten, derzeit bei etwa 25 Prozent. Die Verlierer der Digitalisierung sind nicht nur die klassischen „Ungelernten“, sondern auch viele prekär und (schein)selbständig beschäftigte Fachkräfte (Stichwort: Crowdworking).

 

Die KAB mahnt an, frühzeitig allen Arbeitnehmer/innen Zugänge zu Weiterbildungsangeboten zu ermöglichen und sie auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Zudem müssen digitale Formen der Mitbestimmung (z.B. Bewertungsplattformen für Auftraggeber im Internet) erprobt und eingeführt werden.

Die Digitalisierung wird zu einer weiteren Beschleunigung und auch Verdichtung von Arbeit führen. Als ein Motor der Beschleunigung entpuppt sich dabei unser Kundenbedürfnis nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung. („Heute bestellt, morgen geliefert“). Ebenso werden neue Arbeitsorganisationsformen (z. B. Desksharing-Konzepte) soziale Kontakte unter Kolleg*innen weiter reduzieren und eine Art Heimatlosigkeit im Betrieb befördern. Viele Arbeitende sind aber jetzt schon an der Grenze ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit.

 

Die KAB mahnt an, dass die Aufrechterhaltung der psychischen und physischen Arbeitskraft nicht allein in der Verantwortung der Arbeitnehmer/innen (Selfcare) stehen kann.

Wohlgemeinte Resilienzkonzepte könnten in diesem Zusammenhang dazu beitragen, die eigene Ausbeutung in der Arbeitswelt zu perfektionieren.

Unter dem Vorzeichen der Digitalisierung muss man von einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeiten ausgehen. Diese wiederum erfordern hochflexible Arbeitnehmer, die Privates hinten anstellen. Langfristige Bindungen, die auf gemeinsame Zeiten angewiesen sind (Partnerschaft, Familie, Ehrenamt), sind dabei tendenziell hinderlich.

 

Die KAB mahnt an, dass es ein Recht auf Nichterreichbarkeit und auf Privatsphäre gibt, auch wenn eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit technisch möglich und im globalen Wettstreit erforderlich erscheint. Die kürzeste Definition für Religion, so der Pastoraltheologe Johann Baptist Metz, heißt „Unterbrechung“. Sie eröffnet die Chance einer bewussten Neuausrichtung, der Regeneration und der Kreativität. Sie stellt damit die Basis jeglichen Problemlösungsvermögens dar. Ein gesunder Rhythmus von Arbeits- und

Freizeit sowie gemeinsame freie Zeiten, wie sie der Sonntagsschutz bietet, werden in einer digitalen Welt, die auf hoch automatisiere und „bewusstlose“ Prozesse setzt - wichtiger denn je.

Das Postitionspapier zum Download

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